Glossar · § 34a GewO
Lex posterior
Kollisionsregel: Das später erlassene Gesetz verdrängt das frühere gleichrangige (lex posterior derogat legi priori). — z. B. löst eine neu gefasste Fassung der Bewachungsverordnung die vorherige Regelung ab.
Was die Prüfung erwartet
Die IHK prüft, ob du die Kollisionsregeln der Normenhierarchie unterscheidest: Lex superior, Lex posterior und Lex specialis lösen jeweils einen anderen Normwiderspruch. Der Rahmenplan zu Sachgebiet 1 nennt als Grundlagen-Stichworte den Föderalismus (Bundes-/Landesrecht) und die Zweiteilung in öffentliches und privates Recht; die Kollisionsregeln selbst stehen dort nicht. Typische Prüfungsszenarien:
- Zwei gleichrangige Normen widersprechen sich zeitlich versetzt.
- Ein Bundesgesetz und ein Landesgesetz stehen im Konflikt.
- Ein spezielleres und ein allgemeineres Gesetz kollidieren.
So funktioniert es
Lex posterior derogat legi priori besagt: Von zwei gleichrangigen Normen verdrängt die später erlassene die frühere. Eine eigene Vorschrift gibt es dafür nicht — die Regel ist ein anerkannter Auslegungsgrundsatz, mit dem du einen zeitlichen Widerspruch zwischen zwei Normen derselben Stufe auflöst, etwa wenn eine neu gefasste Bewachungsverordnung eine ältere Fassung ablöst.
Davon zu unterscheiden ist ein Rangkonflikt zwischen unterschiedlich hohen Normen: Stehen sich Bundesrecht und Landesrecht gegenüber, entscheidet Art. 31 GG — Bundesrecht bricht Landesrecht. Das gilt unabhängig davon, welche der beiden Normen zeitlich später erlassen wurde: Ein neueres Landesgesetz verdrängt kein älteres Bundesgesetz.
Beispiel aus dem Dienst
Deine Dienstanweisung im Objekt gibt zu einem Punkt noch die frühere Fassung der Bewachungsverordnung wieder. Inzwischen hat der Verordnungsgeber denselben Punkt neu gefasst. Ab dem Inkrafttreten gilt für deinen Dienst allein die neue Fassung: Beide Fassungen sind gleichrangig, deshalb tritt die frühere zurück, ohne dass sie eigens aufgehoben werden müsste. Dass die alte Anweisung noch im Ordner liegt, ändert daran nichts.
Nicht zu verwechseln mit …
Föderalismus beschreibt, wie Zuständigkeiten zwischen Bund und den 16 Ländern aufgeteilt sind — im Sicherheitsbereich liegt die Polizeihoheit meist bei den Ländern, gewerberechtliche Vorschriften beim Bund. Lex posterior klärt dagegen keinen Zuständigkeitsstreit, sondern einen zeitlichen Widerspruch zwischen zwei gleichrangigen Normen, unabhängig davon, wer sie erlassen hat.
Typischer Fehler in der Prüfung
Lex posterior wird leicht mit Lex specialis verwechselt: Nicht das allgemeinere, sondern das speziellere Gesetz verdrängt das andere — das ist ein eigener Grundsatz, unabhängig vom Erlassdatum. Ebenso wenig verdrängt ein neueres Landesgesetz ein älteres Bundesgesetz: Art. 31 GG entscheidet nach Rang, nicht nach Zeitpunkt.
Quellen
- DIHK-Rahmenplan Bewachungsgewerbe · abgerufen 2026-09-04
- Art. 31 GG – Bundesrecht bricht Landesrecht · abgerufen 2026-09-04
- § 34a GewO – Bewachungsgewerbe · abgerufen 2026-09-04
Rechtsstand: September 2026
Weiterlesen auf der Prüfungsseite Bewachungsgewerbe (§ 34a GewO).
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