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Glossar · § 26a WEG · § 34a GewO

Irrtum (Anfechtungsgrund)

In der Prüfung Immobilienverwalter (§ 26a WEG)

Fehlvorstellung bei Abgabe einer Willenserklärung, die zur Anfechtung berechtigt: Inhaltsirrtum (die Erklärung meint etwas anderes als gewollt), Erklärungsirrtum (Vertippen/Versprechen) oder Eigenschaftsirrtum über verkehrswesentliche Eigenschaften; die Anfechtung muss unverzüglich erfolgen.

Rechtsgrundlage § 119 BGB

Was die Prüfung erwartet

Die IHK prüft den Irrtum meist über die Frist: Wie schnell du anfechten musst, hängt vom Anfechtungsgrund ab, und Klausurfragen kombinieren Irrtum und Täuschung gern gerade deshalb. Allgemeines Vertragsrecht ist unter 2.2.1 der Anlage 1 zur ZertVerwV ein eigener Prüfungsgegenstand.

So funktioniert es

§ 119 Abs. 1 BGB gewährt dir das Anfechtungsrecht in zwei Varianten: Du irrst dich entweder über den Inhalt deiner eigenen Erklärung, oder du wolltest eine Erklärung dieses Inhalts überhaupt nicht abgeben — die zweite Variante erfasst das schlichte Vertippen oder Versprechen. Beide setzen zusätzlich voraus, dass du die Erklärung bei Kenntnis der wahren Sachlage und verständiger Würdigung nicht abgegeben hättest; ein folgenloser Irrtum allein berechtigt noch nicht zur Anfechtung. Nach Absatz 2 gilt als Inhaltsirrtum auch der Eigenschaftsirrtum: der Irrtum über eine Eigenschaft von Person oder Sache, die im Rechtsverkehr als wesentlich gilt.

Anders als bei einer Täuschung bleibt dir wenig Zeit: § 121 BGB verlangt die Anfechtung ohne schuldhaftes Zögern, sobald du den Anfechtungsgrund erkennst. Unabhängig davon ist die Anfechtung ausgeschlossen, wenn seit der Willenserklärung zehn Jahre verstrichen sind.

Beispiel aus der Verwaltung

Beim Vergeben eines Angebots für die Dachrinnenreinigung vertippst du dich bei der Positionsnummer und beauftragst versehentlich das doppelt so teure Komplettpaket samt Fallrohrspülung. Sobald dir der Fehler beim Rechnungseingang auffällt, fichtst du die Beauftragung wegen dieses Erklärungsirrtums an, denn bei richtiger Positionsnummer hättest du diesen Auftrag nie erteilt. Die Anfechtung erklärst du sofort gegenüber dem Handwerksbetrieb, nicht erst Wochen später.

Typischer Fehler in der Prüfung

Prüflinge übertragen die unverzügliche Irrtumsfrist gern auf die Täuschung. Bei arglistiger Täuschung gilt stattdessen eine Jahresfrist ab Entdeckung der Täuschung — deutlich großzügiger als die unverzügliche Frist, die für den bloßen Irrtum gilt.

Rechtsstand: September 2026

Weiterlesen auf der Prüfungsseite Immobilienverwalter (§ 26a WEG).

In der Prüfung Bewachungsgewerbe (§ 34a GewO)

Beim Betrug (§ 263 StGB) das zweite Glied der Kausalkette: die durch die Täuschung hervorgerufene Fehlvorstellung des Getäuschten über Tatsachen. Erst wenn der Irrtum zu einer Vermögensverfügung führt und daraus ein Vermögensschaden entsteht, ist der Tatbestand vollständig.

Rechtsgrundlage § 263 StGB

Was die Prüfung erwartet

Die IHK prüft im Besonderen Teil des Strafrechts, ob du den Irrtum als eigenständiges Tatbestandsmerkmal des Betrugs erkennst und ihn nicht mit verwandten, aber andersartigen Konzepten verwechselst. Der Rahmenplan führt Betrug als eigenen Prüfungsstoffpunkt. Typische Prüfungsszenarien:

  • Bricht die Kausalkette ab, wenn die getäuschte Person die Täuschung durchschaut?
  • Kann ein Automat oder eine Schranke überhaupt irren?
  • Wie unterscheidet sich der Irrtum des Opfers vom Verbotsirrtum des Täters?

So funktioniert es

§ 263 StGB setzt voraus, dass die täuschende Person durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält. Der Irrtum entsteht bei der getäuschten Person selbst — er ist die Fehlvorstellung, die deine Täuschung bei ihr auslöst, nicht deine eigene Einschätzung der Lage.

Das Gesetz erfasst zwei Varianten gleichermaßen: Du kannst den Irrtum aktiv erregen, indem du falsche Tatsachen vorspiegelst — oder du kannst ihn unterhalten, indem du wahre Tatsachen unterdrückst und eine bereits vorhandene Fehlvorstellung so bewusst bestehen lässt.

Beispiel aus dem Dienst

Am Einlass einer Veranstaltung zeigt dir ein Besucher ein gefälschtes VIP-Ticket. Du hältst es für echt und lässt ihn kostenlos hinein, obwohl er regulär zahlen müsste. Deine Fehlvorstellung über die Echtheit des Tickets ist der Irrtum im Sinne des § 263 StGB: Sie veranlasst dich zu der Vermögensverfügung, auf den Eintrittspreis zu verzichten, wodurch dem Veranstalter ein Schaden entsteht.

Nicht zu verwechseln mit …

Erschleichen von Leistungen erfasst das Sich-Verschaffen der Leistung eines Automaten oder des Zutritts zu einer Veranstaltung in der Absicht, das Entgelt nicht zu entrichten — auch dort, wo niemand getäuscht wird. Betrug verlangt dagegen zwingend den Irrtum einer getäuschten Person als eigenes Tatbestandsmerkmal.

Typischer Fehler in der Prüfung

Der Irrtum des getäuschten Opfers beim Betrug wird oft mit dem Verbotsirrtum (§ 17 StGB) des Täters verwechselt: Dort geht es um dessen Schuld, weil ihm die Unrechtseinsicht fehlt, nicht um die Fehlvorstellung der getäuschten Person. War dieser Irrtum unvermeidbar, entfällt die Schuld des Täters — mit dem Irrtum des § 263 StGB hat das nichts zu tun.

Quellen

Rechtsstand: September 2026

Weiterlesen auf der Prüfungsseite Bewachungsgewerbe (§ 34a GewO).

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